CD-Kritik: Turbostaat – Stadt der Angst

25. März 2013 0
CD-Kritik: Turbostaat – Stadt der Angst
titus.de

Turbostaat – seit über 14 lange Jahre macht die sympathische Band aus dem Norden von sich Reden. Zu ihren bisherigen Veröffentlichungen „Flamingo„, „Schwan„, „Vormann Leiss“ und „Das Island Manöver“ reiht sich ab dem 05. April mit „Stadt der Angst“ ein weiteres Album in die Banddiskographie ein. Die Flensburger sind wohl einer der ungewöhnlichsten aber zeitgleich auch spannendsten Formationen, die die heimische Deutschpunkszene zu bieten hat. Weiter ist Turbostaat eine echte Liveband. Neben ausverkauften Tourneen spielten sie in den letzten Jahren energetische Auftritte bei Rock am Ring / Rock im Park, Hurricane / Southside oder dem Area 4 Festival. Die Band pflegt ihre Ausnahmestellung auch wenn ihre Musik nicht direkt bei jedem auf Zuspruch stößt. Turbostaat ist eine Band die Verstanden werden muss und der lebende Beweis, dass Songs auch ohne Reime auskommen können. Nach dem 2010 von der Fachpresse gefeierte Album „Das Island Manöver“ wagt die Band mit „Stadt der Angst“ nun den nächsten Schritt.

Foto: Tim Bruening

Der Albumtitel reiht sich auf dem ersten Blick so gar nicht in die Reihe ihrer letzten Werke ein. Er ist kantiger, ungewohnt und passt nicht wirklich in den kreativen Fluss der Nordlichter. „Stadt der Angst“ –  eine nüchterne Bestandsaufnahme der Befindlichkeit, eine Platte zur sowohl gesellschaftlichen und wirtschaftlichen wie auch zur privaten Krise. Obwohl sich der Name deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet, darf das Album musikalisch  als nahtlose Fortsetzung von „Das Island Manöver“ gesehen werden.

Das Werk steckt voller Melancholie und der Vorliebe für symbolträchtiger, bildstarker Metaphern ohne die ein Turbostaat-Album wohl gar nicht auskommen würde und für die sie von den Fans so geliebt werden.

Für „Stadt der Angst“ hat sich die Band bereits zum dritten Mal mit ihrem Stammproduzent Moses Schneider zusammen getan, der in der Vergangenheit auch schon mit Bands wie den Beatsteaks, Tocotronic oder Fehlfarben arbeitete. Produziert wurde die Platte in Hamburg, in den renommierten Studios ihrer neuen Plattenfirma Clouds Hill. Für das neue Album versuchte die Band offen für Neues zu sein. Man wollte experimenteller werden und neue Wagnisse eingehen. Laut Gitarrist und Textschreiber Marten wirkte „Das Island Manöver“ auf viele sehr düster und unzugänglich. Bei „Stadt der Angst“ habe man alles viel offener und konkreter gehalten.

In der Tat befinden sich neben typischen Turbostaat-Songs wie „Eine Stadt gibt auf!“ oder „Sohnemann Heinz“ diesmal auch mit Lieder wie „Fangarm Derbes“ und „Sohnemann Zwei“ ein paar experimentelle Stücke auf der Platte. Sehr poplastig klingt auch der Track „Alles bleibt konfus“, bei dem man den neuen Weg der Band wohl am eindringlichsten wahrnimmt. Die Aufnahmetechnik der Band bleibt dagegen aber ganz Oldschool, denn das Album wurde live mit komplett analogem Vintage-Equipment aufgenommen.

Foto: Julia Noppen

Turbostaat provozieren mit ihren Texten gerne, dass weiß man nicht erst seit „Ja, roducheln!!“. Klar dass man auch auf „Stadt der Angst“ wieder Zeit findet einige Themen anzuprangern und politisch Stellung zu beziehen. So nimmt die Band beispielsweise in „“Phobos Grunt“, die verunglückte Marssonde als Metapher für einen vom Absturz bedrohten Freund („Du fliegst weiter Richtung unbekannt. Wo niemand dich auch mal begreifen kann“). In „Pestperle“ greift man den Rechtsdruck in der deutschsprachigen Rockmusik auf, der nicht zuletzt durch die Band Frei.Wild in den letzten Wochen neu entfacht wurde. („Freie Wilde in euren Hallen, Unterm Mantel die alte Idee“). Wie facettenreich Turbostaat ist zeigt auch der Song „Willenshalt“, der sich sehr ergreifend mit dem Thema Erbrecht beschäftigt. Auch ihre Heimatverbundenheit wird auf dem neuen Album ein weiteres Mal unter Beweis gestellt. Der Titel „Aggewars“, bedeutet auf Petuh, eine Mischsprache die in Flensburg gesprochen wird, soviel wie „Stress“.

Stadt der Angst“ ist eine sehr stimmige Platte. Turbostaat scheut es nicht Experimente zu wagen und trotzdem konstant ihren eigensinnigen und spannenden Stil beizubehalten. Das Album passt in das momentane Zeitgeschehen und bringt den musikalischen Widerstand gegen die Themen die das Land aktuell beschäftigt. Turbostaat – das sind Jan, Rotze, Marten, Tobert und Peter, die mit „Stadt der Angst“ ein weiteres Mal beweisen, dass sie aus der deutschsprachigen Rockmusikszene nicht mehr wegzudenken sind.

 

Turbostaat - Stadt der Angst

Turbostaat – Stadt der Angst

Tracklist (Vinyl-Version)

01. Eine Stadt gibt auf
02. Phobos Grunt
03. Tut es doch weh
04. Psychoreal
05. Sohnemann Heinz
06. Fresendelf
07. Alles bleibt konfus
08. Snervt
09. Pestperle
10. In Dunkelhaft
11. Willenshalt
12. Sohnemann Zwei
13. Fangarm Derbes
14. Aggewars
15. Unendlich viel Geld

 

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