Farin Urlaub schrieb Info-Text zur neuen Beatsteaks-Platte

11. Januar 2011 0
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Heute ging ein internes Mailing von Warner Music an die Presse raus. Enthalten war ein Info-Text zum kommenden Beatsteaks-Album „Boombox“ (VÖ: 28.01.2011). Geschrieben wurde das ganze von Jan Vetter.. euch sicherlich besser bekannt unter dem Namen Farin Urlaub.
Hier der Text zum nachlesen:

BEATSTEAKS: BOOMBOX
Das neue Beatsteaks- Album ist ein Paralleluniversum der Popmusik, ein
futuristischer Gegenentwurf zu versteinerten Hörgewohnheiten.
Diese auf den ersten Blick marktschreierische These kann nur durch Hören des Tonträgers
wirklich erklärt werden – was den Text hier leider zur Redundanz verurteilt. Versuchen wir es
also noch einmal:
Das neue Beatsteaks- Album ist eine äußerst attraktive junge Frau mit Drei-Tage-Bart und
lässig über die Schulter gehängter AK47. Hmm. Schon irgendwie besser, kann man sich was
drunter vorstellen: sexy, bedrohlich, überraschend – klingt aber auch noch nicht so, daß jetzt
jeder sofort losrennen will, um sich die CD zu holen, oder? (Außer vielleicht für gewisse
Fetischisten… man mag ja gar nicht darüber nachdenken, wen sowas anmacht!) Ok, aller
guten Dinge sind drei:
Das neue Beasteaks- Album ist nicht nur super, sondern sogar superer als alle
bisherigen!
Fassen wir kurz zusammen, was wir an dieser Band schätzen: Sie sind zu fünft! Sie sind aus
Berlin! Außer einem, der ist aus dem Ländle! Aber das macht nix! Sie schreiben heute schon
die Musik, die man übermorgen hören will! Sie sind live unschlagbar! Sie haben einen Playmo
am Bass. (Diesen „Witz“ versteht jetzt keiner!) (Stimmt!!) Sie sind von Album zu Album
besser, berühmter, schöner und besser geworden! Und schöner auch! Und berühmter sowieso!!
Diese Ausrufezeichen nerven langsam!! Ich glaub, ich lass die mal weg! Ja, gute Idee! Danke,
find ich auch!!
Aber genug davon. Schließlich geht es hier um das neue Album – also hören wir uns das mal
an:
Die Beatsteaks haben alles gegeben. Sie benutzen den 6/8el- Takt auf ihrem neuen Album –
und NICHT NUR BEI EINEM LIED! Sie experimentieren mit Bottlenecks, als hätte Elmore James
Dynamit getrunken – und eröffnen mit dem dabei entstandenen Song „Fix it“ ihre BoomBox –
übrigens ihr sechstes Studioalbum, gleichzeitig Zusammenfassung und Verlängerung der
Vorgängeralben.
Die Beatsteaks nehmen eine eigentlich allseits bekannte Musikrichtung, zum Beispiel den
Reggae, kreuzen ihn aber in ihrem Übungsraumlabor mit den B- Seiten britischer
Untergrundbands der frühen 80er- Jahre – und brüten so den unglaublichen
MonsterSommerHit „Automatic“ aus. Spinnen die denn? Ja!! Überhaupt: es gibt keine Grenzen
mehr auf diesem Album. Alles ist möglich, jeder mit jedem, alle gegen alle! Atemlos versucht
man, die kurz aufblitzenden Musikstile und Zitate zu erhaschen: Motown! Punkrock! Metal!
Ska! NewWave! Hardcore! Hey, war das nicht der Chor aus „Ghost Town“? Singt Arnim hier
nicht wie Curtis Mayfield? Und das klingt doch nach, wie hießen sie noch, ach ja: Flipper?!
Woran erinnert mich dieser Basslauf…?
Passenderweise herrschten wechselnde Dresscodes während der Aufnahmen; die Band wollte
die eigene musikalische Vielfalt auch optisch umsetzen und optimal unterstützen. Aber weiter:
Thomas spielt Schlagzeug, als ginge es um sein Leben. Das macht er zwar immer, aber bei
„Bullets from another dimension“ müssen ihn die anderen im Refrain schon mindestens mit
Macheten bedroht haben.
Arnim wiederum hat beängstigende Botschaften für uns („This is the time for pigs to fly“),
beruhigende („My house is on fire, but I´m alive!“), metaphysische („I´m gonna be where I´m
at!“) und zögerliche („I guess I will be with you; trying to please and to comfort you…“).
Peter schenkt uns die romantischsten Zeilen der CD („No matter what will come: I´m gonna
cheer you up!“), aber er hält auch mit heimlichen Sehnsüchten nicht hinterm Berg („Stand
naked before the crowd…“).
Bernd schimpft wie ein Rohrspatz auf die menschenverachtende Kleidungsindustrie („I´m not
gonna wear your shirt!!!“), während Torsten sich von seiner Tochter nochmal die Namen der
Bandmitglieder erklären läßt. Dafür baut er dann aber auch gemeinsam mit Thomas ein
Fundament, auf dem Bernd und Peter ihren komplexen Irrsinn austoben können – gelegentlich
als Autisten rechts und links verteilt, als hätten sie nicht einmal dasselbe Playback gehört, um
dann im Refrain präzise und machtvoll gemeinsame Sache zu machen, oft so intelligent
arrangiert, daß selbst XTC anerkennend den Hut zögen, falls XTC überhaupt Hüte trugen – was
weiß denn ich. Kopfbedeckungen sind eh überschätzt, im Gegensatz zu den Beatsteaks.
Zusammenfassung für alle, denen blumige Sprache nicht so zusagt: große Band, einmaliges
Album – Kaufen! Hören! Und glücklich werden! Hohet Jericht: jut Nacht.
JAN VETTER



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