Review: Rock am Ring 2025

11. Juni 2025 0
Review: Rock am Ring 2025

Rock am Ring 2025 – Ein Jubiläum das sich sehen lassen kann!

Rock am Ring 2025 war nicht einfach nur ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte dieses Festivals – es fühlte sich über die gesamten drei Tage hinweg wie eine große, durchgehend euphorische Feier der Rockmusik an. Das 40-jährige Jubiläum verlieh dem Wochenende eine besondere Strahlkraft, die sich nicht nur im Line-up widerspiegelte, sondern vor allem in der Energie auf dem Gelände. Vom ersten Gitarrenriff am Freitagmittag bis zu den letzten Tönen am Sonntagabend entstand ein durchgehend stimmiger Spannungsbogen, der das Festival zu einem rundum gelungenen Erlebnis machte.

Die Jubiläumsausgabe von Rock am Ring startete am Freitag mit drei fetten Überraschungen, denn zum Geburtstag spendierte der Veranstalte den Ringrockern gleich drei Suprise Acts, die nacheinander das Festivalwochenende einläuteten.

Alle Besucher rätselten schon Wochen vorher: Wer eröffnet das Festival? Sind es eventuell die Hosen, die den Ring als ihr Wohnzimmer bezeichnen?  Wird es ein internationaler Künstler? Oder vielleicht doch eine bekannte deutsche Band?

Letzteres war die richtige Antwort, denn den Anfang machten Electric Callboy, die für eine ausgelassene Stimmung gleich zu Beginn des Wochenendes sorgten. Mit Sonst wie „Hypa Hypa“, „We Got the Moves“ und „Pump It“ spielten sie einen der spaßigsten und gleichzeitig energiegeladensten Auftritte des Festivals. Kaum eine Band schaffte es, das Publikum so schnell in Feierlaune zu versetzen. Ihr Mix aus Humor, eingängigen Hooks und druckvollen Beats machte ihren Slot zu einem echten Publikumsmagneten. Doch die Callboys hatten selbst noch eine große Überraschung am Start, als mit Hänno aka. Hand Of Blood einer der wohl bekanntesten Streamer Deutschlands kurzzeitig beim Set die Stage betrat und sich von den Massen feiern ließ.

Als zweiter geheimer Act standen dann Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys auf der Utopia Stage. Definitiv ein Kontrastprogramm zu Electric Callboy. Trotzdem konnte die Band mit Italo Schlagern und ihrem Hit „Bella Napoli“ überzeugen. Der dritte Überraschungsgast war Knocked Loose, die dann wirklich alles abrissen. Der Special Act, der vorab schon bekanntgegeben wurde, spielte eine energische Show. Nach dieser Show war allen klar: Diese Rock am Ring Ausgabe wird eine ganz besondere!

Nach dem fulminanten Konzert von A Day To Remember spielten auf der Hauptbühne dann Weezer, die mit vielen Klassikern die Crowd begeistern konnten. Auf der Mandora Stage feierte man u. a. mit Myles Kennedy, Poppy und Frank Turner. Aber auch das Programm auf den beiden anderen Bühnen konnten sich sehen lassen. Denn anlässlich des Geburtstages gab es neben der dritten Orbit Stage in diesem Jahr nach langer Pause mit der Atmos Stage wieder eine vierte Bühne. Die Qual der Wahl, bei der Auswahl der Konzerte war also für den einzelnen Besucher noch größer als sonst eh schon. Auf der Atmos Stage ging es u. a. mit Static Dress, Nasty oder Creeper zur Sache. Auf der Orbit Stage freute ich mich endlich wieder Adam Angst live erleben zu dürfen. Hier wurde ich definitiv nicht enttäuscht. Song wie „Professoren“ wurden lautstark mitgesungen. Das Lied „Kruppstahl, Baby“ wurde zudem gemeinsam mit dem Lumpenpack zum Besten gegeben.

Am Abend war es Zeit für Biffy Clyro, die ich auch schon eine ganze Weile nicht mehr live gesehen habe. Ihr Auftritt war geprägt von musikalischer Tiefe und einer beeindruckenden Verbindung zum Publikum. Songs wie „Mountains“, „Biblical“ und „Many of Horror“ entwickelten live eine enorme emotionale Strahlkraft, die sich besonders in den großen Mitsingmomenten zeigte. Gleichzeitig bewiesen sie mit energiegeladenen Tracks, dass sie auch die nötige Wucht besitzen, um ein Festival dieser Größe zu tragen. Die Balance zwischen Intimität und Größe gelang ihnen dabei nahezu perfekt.

Dann gab es kein halten mehr. Der erste Headliner 2025 gab sich die Ehre: Bring Me The Horizon! Sie lieferten eine Headliner-Show, die in Erinnerung bleiben wird. Schon mit den ersten Klängen setzte eine kollektive Euphorie ein, die sich durch das gesamte Set zog. Songs wie „Throne“, „MANTRA“ und „Drown“ wurden von zehntausenden Fans mitgesungen und verwandelten das Infield in ein Meer aus Bewegung und Emotion. Besonders beeindruckend war die Dynamik ihres Sets: harte Breakdowns gingen nahtlos in eingängige Hooks über, während die visuelle Inszenierung mit LED-Flächen und Pyroeffekten die musikalische Wucht perfekt unterstützte. Es war ein Auftritt, der zeigte, wie modern, vielseitig und gleichzeitig massentauglich Rockmusik heute sein kann.

Auf der Mandora spielten Feine Sahne Fischfilet ein überragendes Konzert, bevor eine komplett andere Band aus einem anderen Gerne die Bühne enterte. The Prodigy lieferten eine Show, die das Infield in eine einzige riesige Tanzfläche verwandelte. Mit Tracks wie „Firestarter“, „Breathe“ und „Smack My Bitch Up“ erzeugten sie eine Energie, die sich deutlich von klassischen Rockshows abhob, aber perfekt in die Festivaldynamik passte. Ihr Auftritt war laut, intensiv und durchgehend elektrisierend – ein echtes Highlight für alle, die es etwas elektronischer mochten.

Am Ende des ersten Tages feierten die meisten dann noch den Late Night Act K.I.Z.! Ich liebe ihre Shows, ihren Humor und alles drumherum. Das Konzert war unglaublich. Wer die Berliner noch nie erlebt hat, hat wirklich etwas verpasst. Auch wenn man Rap vielleicht nicht viel abgewinnen kann, sollte man mindestens ein Mal den Jungs eine Chance gegeben haben. Denn was die Vier mit der Crowd anstellen ist einfach nicht normal. Als Maxim dann eine Mittelfinger-Maske aus dem Publikum gereicht bekam und diese beim Performen der nächsten Tracks aufsetzte, gab es kein Halten mehr. Ein Bild für die Götter.

Olli Schulz gab sich auf der Orbit die Ehre. Auch wenn hier die Töne des Liedermachers leisere waren, als zur selben Zeit auf den anderen Bühnen, war dieser Gig einfach toll. Unglaublich auch wie viele Fans sich gegen Bring Me The Horizon und Prodigy und dafür für 50% des Podcastes „Fest und Flauschig“ entschieden haben.

Wer danach noch immer nicht genug hatte, konnte nach Tocotronic ein weiteres Mal auf Electric Callboy treffen. Denn mit ihrem grandiosen DJ Set waren sie nicht nur die ersten auf einer Rock am Ring Bühne 2025, sondern auch die letzten des ersten Festivaltages.

Am zweiten Tag holten die kanadischen Rockröhren von Kittie selbst die letzten verschlafenen Festivalbesucher aus ihren Zelten vor die Mandora Stage. Die Frontfrau hat ein Organ was wirklich ihres Gleichen sucht! Imminence holten die Geige raus und brettern einen epischen Song nach dem anderen heraus. Die Mischung aus Streichinstrument und Metal ist ungewöhnlich aber wusste zu gefallen!

Skillet spielen auf der Utopia Stage auch ein krasses Set. Die Band hat nicht nur einen guten Leadsänger, sondern auch eine Drummerin die hervorragend singen kann. Am Ende des Konzertes kam hier sogar noch Rauchkanone zum Einsatz. Und dann war es Zeit für die nächste große Überraschung. Schon am Freitag schwebte ein großes Schild mit der Aufschrift „Kraftklub – Sterben in Karl Mark-Stadt“ inklusive eines rätselhaften Coutdowns über dem Ring. Ist Kraftklub vor Ort? Gibt es ein geheimes Konzert? Die Antwort war ja! In einer Umbaupause vor der Mandora Stage spielten die Chemnitzer ein kleines Set umgeben von Unmengen von Fans, die ihren Instagramaufruf gefolgt waren. Sie sind aktuell auf Promotour und spielen ohne große Ankündigung in verschiedenen Städten an vorher geheimen Orten. An diesem Tag machten sie Halt in der Eifel. 15 Minuten war der Auftritt nur lang, aber genau für solchen Aktionen liebe ich Rock am Ring. Irgendwo passiert immer irgendwann irgendetwas. Besonders bei dieser Jubiläumsausgabe.

Dann kam die Sintflut. Land unter auf dem Ring und alle schlüpften in ihre mitgebrachten Regenponchos. Airbourne und Spiritbox ließen sich vom nasskalten Wetter nicht beirren. Die Fans ebenso nicht, denn diese feierten eine kleine Regenschlacht zu rockigen Sounds.

Bullet For My Valentine sollten einigen ein Begriff sein. Gerade am Ring wo sie in der Vergangenheit wirklich oft eine Heimat gefunden haben. Sie rockten die Utopia Stage und die Fans wurden von ihren alten und neuen Songs mitgerissen. Auf der Utopia Stage gab es mit Kontra K dann ein Kontrastprogramm. Es ist zwar keine Rockmusik, doch der Künstler hat schon in der Vergangenheit am Nürburgring bewiesen, dass sich das nicht beißen muss. Das Konzert war solide und auch dieses Jahr fand er viel Anklang unter den Ringrockern.

Rise Against brachten dagegen eine Mischung aus Energie und Haltung auf die Bühne, die das Publikum sofort erreichte. Songs wie „Savior“, „Prayer of the Refugee“ und „Audience of One“ wurden nicht nur lautstark mitgesungen, sondern auch emotional getragen. Ihre Performance wirkte ehrlich und direkt, ohne große Inszenierung, dafür mit umso mehr Wirkung.

Dann war es endlich soweit. Fucking Slipknot wurden auf der Utopia Stage als Headliner erwartet. Was soll ich sagen? Ich war rundum begeistert und dieser brachialen Power. Ihr Auftritt war ein Paradebeispiel für rohe Energie und kompromisslose Intensität. Mit „(sic)“ als Opener rissen sie das Publikum sofort mit, und spätestens bei „Duality“ und „Psychosocial“ verwandelte sich die Menge in ein einziges, pulsierendes Kollektiv. Die Band wirkte extrem fokussiert, jede Bewegung saß, jeder Break traf mit maximaler Wucht. Klassiker wie „Wait and Bleed“ oder „Before I Forget“ entfalteten live eine unglaubliche Kraft, die selbst erfahrene Festivalbesucher noch beeindruckte. Es war eine dieser Shows, bei denen man das Gefühl hatte, Teil von etwas Größerem zu sein – laut, intensiv und absolut mitreißend.

Als Late Nice Special am Festivalsamstag spielten auf der Mandora Stage dann nachts noch SDP. Eine Band, die ich persönlich sehr feiere. Ihre Vorbilder: die ärzte, wie sympathisch oder? Mit viel Witz und Humor sind nicht nur ihre Songs bestückt, sondern auch ihre Liveshows. Nur leider viel diese wortwörtlich ins Wasser. Im laufe ihres Auftrittes, wurde der allseits bekannte Regen in der Eifel immer heftiger, sodass sich nach dem langen Konzertmarathon die Reihen immer weiter leerten. Die Berliner taten mich schon richtig leid. Warum musste der Regen denn ausgerechnet jetzt auf die Rennstrecke prasseln? Zwei Stunden später wäre doch auch okay gewesen. Was solls! Wir blieben standhaft und trotzdem mit vielen anderen feiernden Ringrockern den Regen. Die Liveshows von SDP sind nicht nur wegen der tollen Performance und den Songs ein Brett, sondern auch weil sie oft sehr viele Überraschungsgäste mit am Start haben. So natürlich auch am Ring. Hier hatte sie Esther Graf und Tream mit an Bord waren.

Der dritte Tag begann so, wie der zweite endete: Regnerisch. Doch der Himmel hatte nach einigen Stunden nur noch Sonne und Wolken für uns Ringrocker übrig. Zumindest bleib es dann trocken. I See Stars hatten ihre Fangemeinde vor der Orbit Stage versammelt. Nebenan auf der Mandora Stage feierte Jinjer ihr zweites Mal Rock am Ring. Die Frau hat ein Organ, das kann man sich nicht vorstellen. Die Festivalbesucher waren mächtig beeindruckt und ließen sich mitreißen.

Dann gab es hohen Besuch aus Berlin: 30 Jahre Beatsteaks – sie gehören schon fast zum Inventar. Die Utopia Stage war bis auf den letzten Meter gefüllt. Ein einmaliges Erlebnis. Die Berliner spielten nur Hits und ältere Songs. Kein einziger neuer Track von den aktuelleren, letzten Alben hat es in die Setlist geschafft. Bei jedem Song gab’s Vollgas auf der Bühne, wie auch im Publikum. Wenn man so möchte eine Best Of Beatsteaks-Show.

Lorna Shore rissen zudem die Mandora Stage ab und brachten einen Stagediver nach dem anderen nach vorne. Die Securitys hatten bei diesem Konzert wirklich ne Menge zu tun. An dieser Stelle mal ein fettes Dankeschön und riesigen Respekt für diesen schweißtreibenden Job. Auch Falling in Reverse haben eine krasse Show abgeliefert. Musikalisch sehr facettenreich und immer auf den Punkt gebracht. 2014 bei Rock am Ring noch um 13 Uhr gespielt sind sie heute vorletzter Act auf der Utopia Stage. Was für eine Leistung! Mehrfach wurde die krasse Anzahl an Festivalbesucher vor der Bühne mit „What the fuck“ gelobt. Diese Show wollten sich viele nicht entgehen lassen. Das Bild von der Stage muss für die Band gigantisch gewesen sein.

Den Festival-Abschluss auf der Utopia Stage lieferten Korn! Mit einer spannenden Lichtinszenierung und krassem Sound hatten die Besucher nochmal die Möglichkeit alles zu geben und den letzten Tag zu feiern. Am Ende regnete es weiße und rote Fäden. Die Fans waren mehr als nur begeistert. Der Raum vor der Bühne bis zum letzten Platz gefüllt. Die Band lieferte einen der emotionalsten und gleichzeitig druckvollsten Auftritte des gesamten Festivals. Von Beginn an war klar, dass hier eine Band auf der Bühne steht, die nicht nur musikalisch, sondern auch historisch eng mit der Entwicklung moderner Rockmusik verbunden ist. Mit Songs wie „Blind“, „Falling Away from Me“ und „Freak on a Leash“ griffen sie tief in ihr Repertoire und sorgten für Gänsehautmomente bei langjährigen Fans. Besonders die Mischung aus düsteren, fast schon bedrückenden Passagen und explosiven Refrains machte den Auftritt so intensiv. Jonathan Davis’ Stimme klang dabei eindringlich wie eh und je, während die Band instrumental eine enorme Wucht entwickelte. Es war weniger eine Show im klassischen Sinne als vielmehr eine emotionale Reise durch die Geschichte des Nu Metal – und genau das machte diesen Auftritt so besonders.

Rund 90.000 Festivalbesucher, 4 Bühnen, über 100 Bands und viele Überraschungen – das war Rock am Ring 2025. Auch das Wetter hatte eifeltypisch alles zu bieten. Sonne, Wolken, Regen, Wind. Man kennt es hier nicht anders! Nach einigen Jahren hab es in der laufenden Spielzeit auch wieder einmal einen Ausblick auf die nächste Ausgabe im kommenden Jahr. Mit einem spektakulären Feuerwerk wurde mit Linkin Park als erster Headliner der nächsten Ausgabe bestätigt. Die Besucher jubelten. Ich weiß tatsächlich nicht wie Rock am Ring 2025 noch zu toppen sein soll. Mit vier Bühnen und einer so großen Auswahl an Acts war wirklich für jeden etwas dabei. Linkin Park in die Eifel zu lotsen und dies jetzt schon zu bestätigen hält die Vorfreude auf das was da kommen wird ein ganzes Jahr sehr hoch. Es ist sehr schade, dass das Festival jetzt schon wieder vorbei ist. Man freut sich so lange drauf und dann geht die Zeit so schnell rum. Es war ein großes Fest mit vielen Höhepunkten. Ich kann es kaum abwarten, im kommenden Jahr wieder die Reise an den Nürburgring anzutreten. Und das liegt nicht nur an den ganzen Konzerten. Es liegt an der Orga, an den vielen fröhlich feiernden Besuchern, dieser unbeschreiblichen friedlichen Stimmung und an dieser einmaligen Lage die das Festival jedes Mal auf´s neue in mein herz katapultiert. Danke an alle für diese großartige Zeit. Wir sehen und nächstes Jahr wieder an gleicher Stelle. Der Vorverkauf für Rock am Ring 2026 hat bereits begonnen – worauf wartest du also noch?

Festivalbilder

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