Visions veröffentlicht Interview mit With Full Force – Macher zum Thema Frei.Wild

19. Februar 2013 2
Visions veröffentlicht Interview mit With Full Force – Macher zum Thema Frei.Wild
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Bereits in der vergangenen Woche berichteten wir mehrfach über die Bestätigung von Frei.Wild für das With Full Force Festival, die daraus folgenden Absagen von verschiedenen Präsentatoren und der letztendlichen Absage der heißdiskutierten Band. Visions, einer der Partner des Festivals der die Kooperation mit dem With Full Force kündigte, sprach mit Veranstalter Sven Borges über die Entwicklungen der letzten Woche. Das Verhältnis der beiden Parteien scheint wohl mehr als zerfahren zu sein. Aus einem geplanten Telefoninterview, welches mehrmalig verschoben werden musste, wurde am Ende nur ein kurzes Frage-Antwort-Spiel per E-Mail. Zu Fragen zum Thema Frei.Wild blockte Macher Borges gekonnt ab. Auch die sonstigen Antworten des Veranstalters wirken an vielen Stellen überzogen und teilweise sogar aggresiv und arrogant.

Auf die Frage ob man die ausführlich verfassten Begründungen und den Absagen der Präsentatoren wie Festivalguide oder Visions nachvollziehen könne, antwortete man mit dem Satz „Uns hat kein Sponsor abgesagt.“ Dabei steht es im Internet schwarz auf weiß geschrieben. Visions sowie die weiteren Partner Jägermeister, Festivalguide und Tätowier Magazin haben die weitere Zusammenarbeit bis auf weiteres auf Eis gelegt. Vielleicht will man von Seiten des Festivals noch retten was zu retten ist. Doch das überheblich wirkende Interview macht die Situation noch viel schlimmer. Man kann wohl davon ausgehen, dass Visions und With Full Force so schnell nicht mehr auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Weiter hält das Festival, so wie es scheint, immer noch an der Band Frei.Wild fest. Die nationalistische Vergangenheit wird geschickt übergangen.

Auch als Festival hat man unserer Meinung nach eine Verantwortung seinen Besuchern gegenüber, die Sven Borges wohl nicht wahrhaben möchte. Fehler möchte er sich nicht eingestehen, vielmehr sieht er diese wohl bei den Präsentatoren. Wir haben uns von dem angekündigten Interview viel mehr versprochen. Von einer Einsicht oder einem Zurückrudern der Festivalleitung keine Spur! Man steht weiter hinter den Bestätigungen und dem Handeln. Sehr schwach wie wir finden! Als Festivalbesucher als auch als Sponsor sollte man sich nach diesem Interview wirklich die Frage stellen ob man solch ein Festival zukünftig weiter unterstützen möchte. Mittlerweile hat mit Unantastbar die nächste fragwürdige Band ihren Auftritt beim With Full Force 2013 abgesagt.

Visions.de – Interview

Sven, wann und warum habt ihr euch entschieden, Frei.Wild für das With Full Force Festival zu buchen?
Sven Borges: Das With Full Force war schon immer ein Fanfestival. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen richten wir uns nach den Wünschen unseres Publikums. Dazu gibt es jedes Jahr eine repräsentative Umfrage, wo jeder Teilnehmer seine Wünsche äußern kann.

Gab es intern Diskussionen, ob Frei.Wild nach den Kontroversen um die Band auf dem With-Full-Force-Festival auftreten sollen? Oder waren die Kontroversen sogar eher ein Grund, die Band zu buchen?
Wenn es starke Reaktionen auf eine Band gibt, kann man sich diesen nicht verschließen. Ein Grund zum Buchen ist das aber keinesfalls für uns gewesen.

Die Reaktionen auf die Bestätigung von Frei.Wild waren teilweise heftig: Die Mehrheit der Fans reagierte entsetzt auf die Entscheidung, einige Geschäftspartner und Bands dachten laut über einen Rückzug vom Festival nach. War angesichts des Rufes von Frei.Wild nicht absehbar, dass es so viel Kritik geben würde?
Es gab letztlich keinerlei Absagen von Bands. Wir haben auch keine Absage unserer Haupt-Präsentatoren bekommen. Nur VISIONS hat sich gemeldet und die Kooperation abgesagt.

Alle zurückgetretenen Sponsoren haben auf ihren Webseiten Stellungnahmen veröffentlicht, in denen sie sachlich erklären, dass sie Frei.Wild mit ihren nationalistischen Texten und ihrer aggressiven Attitüde für unvereinbar mit Werten wie Toleranz, Weltoffenheit und Respekt halten. Könnt ihr die Begründungen nachvollziehen?
Wie gesagt: Uns hat kein Sponsor abgesagt.

Auf eurer Webseite habt ihr Frei.Wild im Zuge der Bestätigung als umstritten, den Umgang mit der Band aber gleichzeitig als „Hexenjagd“ bezeichnet. Was meint ihr mit „Hexenjagd“? Haltet ihr die Kritik an der Band für unberechtigt?
Ich beantworte ausschließlich Fragen, die das With Full Force betreffen. Wertungen über die Band Frei.Wild, deren Texte oder deren Vergangenheit möchte und kann ich nicht abgeben.

Frei.Wild haben drei Tage nach der Bestätigung noch vor einer Erklärung durch euch als Veranstalter ihren Auftritt beim With Full Force abgesagt. Standet ihr seit den Diskussionen im Kontakt mit der Band, und war Frei.Wilds Statement vom Freitag mit euch abgesprochen? Habt ihr vorher diskutiert, die Band wieder auszuladen?
Die Band hat bekannt gegeben, aus welchen Gründen das WFF abgesagt wurde. Das haben wir so akzeptiert. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Hat Frei.Wilds Absage dem Festival eher geholfen oder eher geschadet?
Das kann ich zum heutigen Zeitpunkt nicht einschätzen.

Eigentlich war von euch eine Stellungnahme zu den Vorgängen rund um Frei.Wild für den heutigen Montag angekündigt. Bisher gab es jedoch nur eine knappe Meldung auf der Webseite, in der die Absage mitgeteilt wird, Erklärungen fehlen. Warum habt ihr auch als Veranstalter in Sachen Informationspolitik von der Band das Heft aus der Hand nehmen lassen und nicht selbst Stellung bezogen?
Ich verstehe die Frage nicht. Wir wurden von der Band informiert und haben dies an unsere Besucher weitergeleitet. Ich weiß nicht, was es da noch mehr zu sagen gibt. Von für Montag angekündigten Stellungnahmen weiß ich nichts, das wurde auch so nie ausgesagt.

Erhalten Frei.Wild trotz der Absage ihre volle oder Teile ihrer Gage? Habt ihr als Veranstalter damit nicht nur den Schaden der kritischen Berichterstattung, sondern auch einen finanziellen?
Zu vertragsinternen Punkten kann ich an dieser Stelle keine Auskunft geben. Ich denke, das ist auch nicht von Interesse.

Im Statement zu der Absage flüchten sich Frei.Wild einmal mehr in die Märtyrer-Rolle: Eine kleine „Gruppe von Internet-Freaks“ habe einen Shitstorm und damit „hektische Medienberichterstattung“ ausgelöst, ihr als Veranstalter seid „dermaßen unter Druck geraten“, dass Frei.Wild den Auftritt zu eurem Schutz absagen müssten. Tatsächlich äußerte sich eine klare Mehrheit der Festivalfans kritisch über die Bestätigung der Band, wir von VISIONS haben unser Statement nach 24-stündiger Überlegung veröffentlicht und euch als Festivalmacher nicht unter Druck gesetzt. War es tatsächlich der öffentliche Druck auf euch als Veranstalter, der zur Absage führte?
Das muss man die Band fragen, ich kann nicht für Frei.Wild antworten.

Wie geht das With Full Force generell mit Weltanschauungen und politischen Aussagen von Bands und Besuchern um?
Das WFF ist und bleibt ein Musikfestival. Hier geht es nicht darum, Politik zu machen. Das haben wir immer so gehalten und werden das auch zukünftig tun. Wir kämpfen gegen jede Form von Radikalismus. Und wir haben schon immer klare Aussagen dazu getroffen, dass Nazis und Rassisten bei uns nichts zu suchen haben. Zu uns kommen Fans harter Musik, um an einem Wochenende ihre Leidenschaft auszuleben und Gleichgesinnte zu treffen.

Hattet ihr keine Sorgen, dass eine Band wie Frei.Wild – selbst wenn sie sich als unpolitisch verkauft – auch rechtsextremes Publikum angezogen hätte, das das Festival politisch „in Besitz genommen“ hätte?
Frei.Wild haben sowohl 2010 auf dem WFF als auch in den letzten Jahren auf diversen deutschen Festivals wie Summerbreeze und Wacken gespielt. Mir ist nicht bekannt, dass es dort zu solchen Problemen gekommen wäre. Ich kann auch nicht sagen, dass es bei uns 2010 irgendwelche Vorfälle gegeben hat.

Vermutlich werden auf dem Festival Besucher mit Frei.Wild- oder Böhse-Onkelz-Merchandise gegen die Absage der Band Flagge zeigen. Wie verhindert ihr, das politisch links gesinnte mit rechts gesinnten Musikfans gewaltsam aneinandergeraten und alle ein gutes und sicheres Festival erleben?
Weder Böhse-Onkelz- noch Frei.Wild-Merchandise ist verboten. Dementsprechend vertrauen wir auf die Eigenverantwortlichkeit jedes einzelnen Besuchers, die erwachsen genug sind, selbst zu entscheiden, was sie auf dem Körper tragen wollen. Wir sorgen dafür, dass verbotene T-Shirts, Aufschriften und so weiter nicht auftauchen und führen – wie auch in den letzten Jahren schon – umfangreiche Kontrollen durch. Thor Steinar beispielsweise ist bei uns unerwünscht, und wir fordern unsere Besucher auf, diese Kleidung auf den WFF nicht zu tragen. Zur Gewalt haben wir eine ganz klare Meinung – die hat bei uns in körperlicher Form nichts zu suchen, und wir werden sie, egal aus welcher Richtung, nicht dulden. Lediglich musikalische Gewalt spielt bei uns eine übergeordnete Rolle als eines der härtesten Festivals in Europa.

Im Line-up des With Full Force befinden sich auch nach der Absage von Frei.Wild noch Bands mit fragwürdigem Hintergrund: Die schwedischen Black-Metaller Marduk fielen in der Vergangenheit zwar durch rechte Aussagen auf, gelten nach glaubhaften Distanzierungen heute jedoch als rehabilitiert. Unantastbar hingegen bewegen sich als Nachfolgeband der Neonazi-Rocker Kaiserjäger auch heute noch am rechten Rand. Steht es zur Debatte, Unantastbar vom Line-up zu streichen?
Marduk haben schon viele Male auf dem WFF gespielt. Ich weiß nicht, warum sich daran etwas ändern sollte. Auch sonst haben wir nicht geplant, irgendwelche bestätigten Bands abzusagen.

Welche Schlüsse und Konsequenzen zieht ihr als Veranstalter aus der Kontroverse?
Wir werden auch weiterhin im Sinne des With Full Force und dessen Fans handeln – wie es sich für ein Fanfestival gehört.

Quelle: visions.de



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2 Comments »

  1. Sven Reelk 19. Februar 2013 um 11:31 - Reply

    Ein Intwerview in dem sich das WFF und auch Visdions blamieren mit dummen fragen und noch dümmeren Antworten.

  2. Fred Schuster 20. Februar 2013 um 00:12 - Reply

    Mein Vorredner hat recht. Echt dämliche Fragen! Vorallem gleich wieder die Onkelz Keule rausholen. Aber was will man erwarten wenn einen Schülerzeitung aus Dortmund einen blöden „Ossiveranstalter“ über Nazis ausfragen will. Tut mir echt leid mehr Klischees in einem Interview habe ich lange nicht gelesen.

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